12 von 12 – die Zweite

Das Märzbuch war eine Empfehlung einer Buchhändlerin, die mit großer Begeisterung von „ihrem“ Buch sprach. Das hat mich neugierig gemacht und eines kann ich vorneweg sagen: Es hat sich gelohnt.

Heiraten ohne den Partner oder die Partnerin zu kennen, geschweige denn ihn oder sie berührt zu haben. Eine völlig absurde Vorstellung. In ihrem Buch „Die Hochzeit der Chani Kaufmann“ beschreibt die Autorin Eve Harris eine solche Verbindung: Die 19jährige Chani Kaufmann und der angehende Rabbiner Baruch Levy, die beide in einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde in London leben, werden heiraten. Doch so einfach ist es nicht: Viele Regeln müssen befolgt werden, um ein gottgefälliges Leben führen zu können und Chani und ihr zukünftiger Mann müssen erst einmal herausfinden, was Ehe und Glück überhaupt bedeuten. Ob sie gemeinsam glücklich werden können, hängt von vielen Faktoren ab. Immerhin sind sie schon vier Mal gemeinsam ausgegangen. Chani stammt aus einer nicht sehr wohlhabenden, traditionellen Familie und hat noch sieben Schwestern, sie ist nicht nur hübsch und intelligent, sie hat auch ganz eigene Vorstellungen von ihrer Zukunft. All das verbessert ihre Aussichten auf dem hart umkämpften jüdisch-orthodoxen Heiratsmarkt nicht gerade. Und ob Baruch, der aus einer wohlhabenden Familie stammt, die nicht gerade glücklich darüber ist, dass sich ihr Sohn gerade zu Chani hingezogen fühlt, der Richtige ist, steht noch längst nicht fest.

Die zweite Hauptperson ist Rebecca Reuben, die Frau des orthodoxen Rabbis, die Chani auf ihre Hochzeit vorbereiten soll, die jedoch selbst in ihrer Ehe nicht mehr glücklich ist. Aus Liebe zu ihrem Mann Chaim Zilberman hatte sie, die in einem säkularen Umfeld aufgewachsen war, in das streng regulierte Leben an der Seite eines orthodoxen Rabbis eingewilligt. Ständige soziale Kontrolle, strenge Vorschriften in Bezug auf Kleidung, Essen und nahezu alle weiteren Alltagsbelange bestimmen ihr Leben. Das, was ihr als Studentin in Jerusalem an ihrem Mann und an der Religion so wichtig erschienen war, verliert jetzt zunehmend an Bedeutung.

In dem Buch geht es um die Fragen von Glück und Selbstbestimmung, aber vor allem um Frauenleben zwischen Tradition und Gegenwart. Eve Harris gibt Einblick in die Lebenswelt orthodoxer Juden, die so fremd und anachronistisch erscheint. Doch es geht nicht nur um den Blick in eine exotische, in sich abgeschlossene Welt, sondern insgesamt um die Frage, wie man eigentlich selbst leben möchte. Harris gelingt es dabei, ihre Figuren mit Humor, scharfem analytischem Blick und viel Liebe zu zeichnen.

Fazit: Gerne gelesen – ein echter Gewinn. Und dabei wäre es mir möglicherweise ohne die „Buch-Flatrate“ meiner großartigen Freundinnen und die warme Empfehlung der Buchhändlerin wohl entgangen.

Und hier geht es zum Buch.

 

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