12 von 12 – die Dritte

Mein April-Buch war ausnahmsweise kein Taschenbuch. Aber eine Empfehlung, die gleich von zwei Seiten kam. Da konnte ich nicht widerstehen und habe ein bisschen draufgelegt. Geworden ist es Benedict Wells‘ Roman „Vom Ende der Einsamkeit“.

Wells erzählt von drei Geschwistern, deren Leben durch den Unfalltod ihrer Eltern auf tragische Weise geprägt wird. Nach einer zumindest in der Erinnerung behüteten Kindheit leben die Geschwister Marty, Liz und Jules (letzterer ist der Ich-Erzähler) in einem Internat und entfremden sich einander zunehmend.

Jeder der drei geht mit dem Verlust anders um: Marty wird ein erfolgreicher Unternehmer, entwickelt aber Zwangsneurosen und Ängste, Liz stürzt sich von einer Beziehung in die nächste und experimentiert mit Drogen und Jules zieht sich in seine Traumwelt zurück und entwickelt starke Verlustängste. Ein Lichtblick für ihn ist die Freundschaft zu Alva, über deren Leben ebenfalls ein Schatten zu liegen scheint.

In seinem Roman beschäftigt sich Wells mit den großen Dingen des Lebens: Mit Verlust, Liebe, dem Tod, der Erinnerung und der Frage, was eigentlich im Leben zählt. Manches – unter anderem die Brüche in der Fassade der einstmals heilen Familie – deutet Wells lediglich an.

Das Buch hat mich passagenweise sehr berührt. Und besonders die Frage, wie ein weit zurückliegender Verlust ein ganzes Leben prägen kann, beschäftigt mich sehr. Das Buch ist so geschrieben, dass es den Leser oder die Leserin im wahrsten Wortsinn fesselt – ich konnte es kaum aus der Hand legen und hatte es sehr schnell gelesen. Gestört hat mich allerdings das sehr harmonische Ende – vielleicht ist damit der Beginn der „Haben-Seite“ des „Nullsummenspiels“ gekommen, über das Jules in seinem inneren Monolog nachdenkt. Ich weiß es nicht. Nach der Ansammlung von tragischen Ereignissen in den Leben von Jules und seinen Geschwistern hinterlässt der Roman mir persönlich einen etwas zu süßlichen Nachgeschmack, obwohl er angesichts der angesprochenen Fragestellungen und der Personenkonstellation ansonsten bemerkenswert wenig kitschig ist. Aber über Geschmack  – auch in Bezug auf Romanenden – kann man bekanntlich streiten.

Fazit: Ein echter „Pageturner“. Wer eine Lektüre sucht, die nicht zu schwierig ist und trotzdem große Gefühle und Lebensfragen thematisiert, ist mit Benedict Wells‘ Roman gut bedient.

Näheres zum Buch gibt es hier.

 

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