Habe nun, ach …!

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Das klassische Faust-Thema (Mensch versus göttliche bzw. teuflische Kraft, das Streben nach Wissen, für das der Mensch sogar bereit ist, seine Seele zu verkaufen) übt schon seit Jahrhunderten eine besondere Faszination aus. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass es zahllose literarische Umsetzungen und Bearbeitungen des Themas gibt – nicht nur die des Dichterfürsten Goethe.

Thea Dorn fügt mit ihrem Roman „Die Unglückseligen” dieser Vielzahl an Texten und Bearbeitungen eine weitere hinzu. Die Molekularbiologin Johanna Mawet hat ihr Leben der Abschaffung der Sterblichkeit gewidmet. Einen Wissenschaftspreis für die langlebigste genmanipulierte Maus hat sie bereits erhalten, als sie während eines Forschungsaufenthalts in den USA auf den verwahrlost wirkenden Johann trifft, der ihr versichert, dass er eigentlich der laut Wikipedia bereits 1810 verstorbene schlesische Physiker Johann Wilhelm Ritter sei, ein Zeitgenosse Achim von Arnims, Clemens von Brentanos und der Brüder Schlegel, den es tatsächlich gab, und der über die Jahrhunderte irgendwie am Leben geblieben sein will. Das komplett auf Vernunft gegründete Leben der hochrationalen Wissenschaftlerin Johanna Mawet kommt im Verlauf des Romans immer stärker ins Wanken. Sie bemüht sich mit allen Methoden darum, das Geheimnis von Johanns Unsterblichkeit zu ergründen, zunächst mit den wissenschaftlichen Methoden der Molekularbiologie, später auch mithilfe okkulter Praktiken. Als Johannas Kollegen am amerikanischen Forschungsinstitut zunehmend misstrauisch werden, fliehen die beiden nach Deutschland. Während Johanna alles versucht, um hinter das Geheimnis von Johanns Langlebigkeit und seiner auffallenden regenerativen Fähigkeiten zu kommen, beginnt Ritter zu hoffen, dass Johanna ihn aus dem Dilemma der Unsterblichkeit befreien kann. Aus der Geschichte, die als Wissenschaftsroman beginnt, wird zum Ende hin sogar noch eine Liebesgeschichte.

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12 von 12 – die Fünfte

Ich hatte es ja schon zugegeben: Mit dem Bloggen bin ich etwas im Rückstand. Aber nicht mit dem Lesen. Mein Juli-Buch ist eines, auf das ich wahrscheinlich ohne mein Geburtstagsgeschenk, die Buch-Flatrate, nie gestoßen wäre. Der Schauplatz von Aharon Appelfelds Roman „Alles, was ich liebte” ist Czernowitz, die Hauptstadt der Bukowina am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Czernowitz, das heute in Rumänien liegt, ist eine Stadt, die in der deutschsprachigen Literatur eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt: Paul Celan, Rose Ausländer, Selma Meerbaum-Eisinger und Gregor von Rezzori sind bei weitem nicht die einzigen Namen, die mit dieser Stadt verbunden sind, die eine Habsburger Vergangenheit par excellence hat (die Stadt gehörte früher zur Ukraine, hatte eine multikulturell zusammengesetzte Bevölkerung – neben Juden, Deutschen, Rumänen und Ukrainern lebten hier auch Polen) und die einstmals so reich war an jüdischem Leben.

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