Mord auf klassisch

weimar

Die Klassikerstadt Weimar ist der Schauplatz des literarischen Debuts des Schauspielers, Regisseurs und Chansonniers Dominique Horwitz. Und Weimar ist nicht nur die Kulisse für eine mehr oder minder gut an die Gegebenheiten angepasste, aber ansonsten nahezu beliebig versetzbare Regionalkrimihandlung, die mit ein paar Lokalkolorit-Versatzstücken eigentlich überall spielen könnte, sondern sozusagen Hauptprotagonistin, denn eine so sehr von literarischen Zitaten gespickte Handlung wäre an einem anderen Ort wohl nicht denkbar.

In der Seniorenresidenz „Villa Gründgens”, die alt gewordenen Bühnenstars eine letzte Heimat bieten soll, studiert der hauseigene, aus rüstigen und zugleich mit skurrilen Zügen ausgestatteten Senioren bestehende Schiller-Zirkel „Die Räuber” ein. Als zuerst der Hausmeister der Villa und danach mehrere Mitglieder des Schiller-Zirkels unter fraglichen Umständen das Zeitliche segnen, sieht sich der Ex-Schauspieler, Kutscher und Stadtführer Roman Kaminski, den die im wahrsten Wortsinn merk-würdige Residenzleiterin Trixi Muffinger als Aushilfshausmeister engagiert hat, nicht zuletzt durch den smarten Kommissar Marc Westphal, der Kaminski des Mordes verdächtigt, in die Rolle eines heimlichen Ermittlers gedrängt.

Horwitz entwirft in seinem Krimi-Debut nicht nur eine humorvoll gezeichnete Figurenkonstellation, er nimmt auch den gehobenen kulturellen, touristischen und gesellschaftlichen Anspruch des Weimarer Kleinstadt-Kulturbetriebs liebevoll und mit spitzer Feder aufs Korn. Es gelingt ihm dabei, souverän auf dem schmalen Grat zwischen Krimihandlung, literarischen Anspielungen, Milieubeobachtung (inklusive ernsthafter Betrachtung des Phänomens Rechtsextremismus), geschichtlichen Hintergründen und Klamauk zu balancieren, auch wenn die eigentliche Krimihandlung anfangs eher langsam an Fahrt gewinnt. Die Handlung beschreibt zahlreiche Kurven und Wendungen, lockt den Leser auf falsche Fährten, um dann ein eher überraschendes Ende zu nehmen, von dem an dieser Stelle jedoch nichts verraten werden soll.

Ein Buch, den man sich auch von Horwitz gelesen – seine Hauptfigur Roman Kaminsky trägt wohl nicht zufällig deutliche Züge, die den seinen ähneln – ausgezeichnet vorstellen kann. Insgesamt ein empfehlenswertes Lesevergnügen.

Danke an das Bloggerportal von Randomhouse für das Rezensionsexemplar.Näheres zum Buch gibt es hier.

 

 

 

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