Bekenntnis eines Misanthropen

„Meine Frau ist tot und längst begraben.”

Mit diesem nüchternen Satz beginnt der 1894 erschienene Roman „Ein nachgelassenes Bekenntnis” des Niederländers Marcellus Emants, der zur Frankfurter Buchmesse 2016 in neuer Übersetzung erschienen ist. Willem Termeer, ein 35-jähriger Privatier, der hier monologisch seine Lebensgeschichte erzählt (oder vielleicht zutreffender: ein Geständnis ablegt) ist kein sympathischer Protagonist, nicht nur, weil er gesteht, seine Frau Anna getötet zu haben. Termeer ist ein Misanthrop, ein Getriebener. Menschliche Gesellschaft hält er kaum aus, er ist voller Selbstzweifel und Selbsthass. Die einzigen Dinge, die er tatsächlich schätzt, sind die Einsamkeit, abschließbare Räume und erotische Abenteuer.

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