Zeitreise durch Amsterdam

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In seinem Buch „Die vielen Leben des Jan Six” nimmt uns der niederländische Autor Geert Mak mit auf eine Zeitreise durch Amsterdam, die im 17. Jahrhundert beginnt und bis in die Gegenwart reicht. Einen Roman hat Mak hier nicht vorgelegt, sondern eine brillante Familienbiographie, die sich sehr spannend liest.

Geert Mak begibt sich zusammen mit seinen Lesern auf die Spuren der Amsterdamer Familie Six, die vor allem im „goldenen Zeitalter“ der Stadt zu den einflussreichen Dynastien gehörte. Der jeweils Erstgeborene der Familie trägt bis heute den Namen Jan Six, die Familie hatte über lange Jahre großen Einfluss in Gesellschaft, Politik und Kultur. Mak beginnt seine Erzählung der Sixschen Familiengeschichte mit dem Jan Six, der im 17. Jahrhundert von Rembrandt in einem seiner bekanntesten Gemälde verewigt wurde.

Über vierhundert Jahre, bis in die Gegenwart zeichnet Mak mithilfe der Geschichte der Familie Six auch ein lebendiges Bild der Stadt Amsterdam und der Niederlande. Er erzählt vom allmählichen Aufstieg, aber auch vom Scheitern und vom Niedergang nicht nur der Familie, sondern auch der Stadt und des Landes. Geert Mak beschreibt das Florieren der niederländischen Händlerrepublik, schildert die Feldzüge gegen den spanischen Herzog Alba, den Umgang mit eifernden Calvinistenpredigern, lukrative Bilderauktionen, glänzenden Geschäfte der Ostindienkompanie bis hin zur deutschen Besetzung und der Kollaboration mit den Nationalsozialisten und den Widerstand gegen die verhassten Besatzer – das alles findet sich in einer einzigen Familie.

Damit bekommt der Leser nicht nur eine spannend und unterhaltsame erzählte, sehr informative Familien- sondern auch einen gut recherchierten, an keiner Stelle langatmigen Einblick in die niederländische Geschichte. Die Bedeutung von Handel, Kultur, Kolonialreichen und kriegerischen Auseinandersetzungen rückt dem Leser auf diese Weise, erzählt mithilfe der direkten Auswirkung auf das persönliche Leben der Familienmitglieder, sehr nahe. Mit seinem Geschichtspanorama der Niederlande gelingt es Mak zugleich, ein Stück europäische Geschichte aufzublättern. Geschickt hangelt er sich bei seiner Spurensuche an Gegenständen entlang, die sich im Familienhaus der Six anfinden: Das berühmte Rembrandt-Porträt aus dem 17. Jahrhundert, die Handschue einer jungen Braut aus der gleichen Zeit und vieles mehr.

Mak beschränkt sich dabei nicht darauf, die Familien-, Stadt- und Landesgeschichte einfach zu beschreiben. Pointiert zeichnet er die gesellschaftlichen Zwänge, aber auch die großen Privilegien nach, die mit der Geburt in eine solche Familie verbunden sind.

Fazit: Eine lohnende und sehr erhellende Lektüre, die nicht nur ein Schlaglicht auf eine einzelne Familie richtet, sondern zugleich europäische Geschichte erzählt. Vom Kleinen zum Großen und umgekehrt.

Danke an das Bloggerportal von Randomhouse für das Rezensionsexemplar.
Näheres zum Buch gibt es hier.

 

 

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