12 von 12 die sechste

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Ich gebe zu: Das Jahr ist um. Meine zwölf Flatrate-Bücher sind alle gelesen, aber mit dem bloggen bin ich hoffnungslos hinterher. Das entmutigt mich allerdings nicht. Ich mache weiter, damit der SUVB*, der meinen Schreibtisch zu überwuchern droht, doch demnächst tendenziell abnimmt. Und was könnte nach all dem „Make America great again“ der letzten Tage besser geeignet zum vertexten sein, als ein Buch über Berühmtheit, Medienhypes, Literaturzirkusse, Schreibblockaden und nicht zuletzt Mord, das eben in God’s own country, den United States of America spielt? Joël Dickers umfangreicher Roman „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ hat vor allem in Frankreich, wo es sogar für den renommierten Prix Goncourt nominiert war, für großes Aufsehen gesorgt. Was verbirgt sich hinter dem Hype? Und wie wird ein französisches Buch zu einem „Page-turner à l’américaine“ wie die NZZ die französische Kritik zitiert?

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12 von 12 – die Fünfte

Ich hatte es ja schon zugegeben: Mit dem Bloggen bin ich etwas im Rückstand. Aber nicht mit dem Lesen. Mein Juli-Buch ist eines, auf das ich wahrscheinlich ohne mein Geburtstagsgeschenk, die Buch-Flatrate, nie gestoßen wäre. Der Schauplatz von Aharon Appelfelds Roman „Alles, was ich liebte” ist Czernowitz, die Hauptstadt der Bukowina am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Czernowitz, das heute in Rumänien liegt, ist eine Stadt, die in der deutschsprachigen Literatur eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt: Paul Celan, Rose Ausländer, Selma Meerbaum-Eisinger und Gregor von Rezzori sind bei weitem nicht die einzigen Namen, die mit dieser Stadt verbunden sind, die eine Habsburger Vergangenheit par excellence hat (die Stadt gehörte früher zur Ukraine, hatte eine multikulturell zusammengesetzte Bevölkerung – neben Juden, Deutschen, Rumänen und Ukrainern lebten hier auch Polen) und die einstmals so reich war an jüdischem Leben.

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12 von 12 – die Vierte

Die Hauptfigur des Romans „Der Mann, der nie krank war” von Arnon Grünberg heißt Sam (mit vollem Namen Samarendra Ambani) und ist ein Schweizer Architekt. Zwar hat er einen indischen Vater, aber der tut eigentlich nur am Rande etwas zur Sache (vielleicht weil er die Fremdheit Sams gegenüber seiner Umwelt und sich selbst durch sein Erbteil betont) – zumal dieser bereits tot ist. Sam lebt zusammen mit seiner Mutter und seiner schwerbehinderten Schwester Aida, hat eine Freundin namens Nina und ist – abgesehen von seiner selbstgefällig wirkenden Überzeugung, dass die Architektur das Leben der Menschen maßgeblich beeinflusst – die Verkörperung des Naiven und ewig Neutralen (vielleicht ist er deshalb Schweizer?).

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12 von 12 – die Dritte

Mein April-Buch war ausnahmsweise kein Taschenbuch. Aber eine Empfehlung, die gleich von zwei Seiten kam. Da konnte ich nicht widerstehen und habe ein bisschen draufgelegt. Geworden ist es Benedict Wells‘ Roman „Vom Ende der Einsamkeit“.

Wells erzählt von drei Geschwistern, deren Leben durch den Unfalltod ihrer Eltern auf tragische Weise geprägt wird. Nach einer zumindest in der Erinnerung behüteten Kindheit leben die Geschwister Marty, Liz und Jules (letzterer ist der Ich-Erzähler) in einem Internat und entfremden sich einander zunehmend.

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12 von 12 – die Zweite

Das Märzbuch war eine Empfehlung einer Buchhändlerin, die mit großer Begeisterung von „ihrem“ Buch sprach. Das hat mich neugierig gemacht und eines kann ich vorneweg sagen: Es hat sich gelohnt.

Heiraten ohne den Partner oder die Partnerin zu kennen, geschweige denn ihn oder sie berührt zu haben. Eine völlig absurde Vorstellung. In ihrem Buch „Die Hochzeit der Chani Kaufmann“ beschreibt die Autorin Eve Harris eine solche Verbindung: Die 19jährige Chani Kaufmann und der angehende Rabbiner Baruch Levy, die beide in einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde in London leben, werden heiraten. Doch so einfach ist es nicht: Viele Regeln müssen befolgt werden, um ein gottgefälliges Leben führen zu können und Chani und ihr zukünftiger Mann müssen erst einmal herausfinden, was Ehe und Glück überhaupt bedeuten. Ob sie gemeinsam glücklich werden können, hängt von vielen Faktoren ab. Immerhin sind sie schon vier Mal gemeinsam ausgegangen. Chani stammt aus einer nicht sehr wohlhabenden, traditionellen Familie und hat noch sieben Schwestern, sie ist nicht nur hübsch und intelligent, sie hat auch ganz eigene Vorstellungen von ihrer Zukunft. All das verbessert ihre Aussichten auf dem hart umkämpften jüdisch-orthodoxen Heiratsmarkt nicht gerade. Und ob Baruch, der aus einer wohlhabenden Familie stammt, die nicht gerade glücklich darüber ist, dass sich ihr Sohn gerade zu Chani hingezogen fühlt, der Richtige ist, steht noch längst nicht fest.

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