Die Last des Gewissens

Den russischen Komponisten Dmitrij Schostakowitsch hat der britische Schriftsteller Julian Barnes in den Mittelpunkt seines Romans „Der Lärm der Zeit“ gestellt. Im inneren Monolog resümiert Schostakowitsch sein Leben in der Sowjetunion. Alle zwölf Jahre – immer in Schaltjahren – sieht sich der Komponist in besonderer Weise mit der Staatsmacht konfrontiert sieht: Die Ereignisse der Jahre 1936, 1948, 1960 und 1972 dienen Barnes als Einschnitt und Erzählanlass, in denen er seinen Protagonisten zurückblicken und über sein Leben reflektieren lässt.

Im Mittelpunkt stehen dabei weniger äußere Ereignisse, als die großen Fragen zu Gewissen und Macht, Angst, Feigheit und Verrat. Damit ist Barnes‘ Buch nicht nur ein einfühlsam geschriebener Künstlerroman, sondern viel mehr.

Weiterlesen

Advertisements

Märchenhaft, multiperspektivisch und vielschichtig

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ob das von mir fotografierte säulenähnliche Grünobjekt tatsächlich ein Machandelbaum (vulgo: Wacholder) ist, möchte ich nicht beschwören. Aber in Verbindung mit dem blühenden Flieder ist er auf jeden Fall hübsch …

„Alles, was geschehen kann, ist auch in Machandel geschehen.“

Ein gutes Motto für einen Roman, der über vierzig Jahre Geschichte und Geschichten erzählt. Machandel – das ist der Titel von Regina Scheers Roman, den ich eigentlich schon lange lesen wollte. Mich fasziniert die Frage des Erinnerns und das Nachdenken darüber, wie verdrängte und verschwiegene Erinnerungen das Weiterleben beeinflussen. Und genau diese Fragen stellt sich auch Regina Scheer in ihrem Roman „Machandel“, in dem sie einen Familiengeschichten-Bogen von den 1930er Jahren bis in die 1990er Jahre spannt.

Weiterlesen

Toleranz um jeden Preis?

Heute keine Belletristik, sondern ein schmaler, handlicher Essayband. Das Buch „Zivilisierte Verachtung. Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit“ des israelischen Psychologen und Philosophen Carlo Strenger war ebenfalls eines der Geschenke, die ich zu meinem Geburtstag bekommen habe (ich zehre noch und das ist ein sehr gutes Gefühl). Von Carlo Strenger habe ich vorher schon das Israel-Buch gelesen (Israel. Einführung in ein schwieriges Land), in dem Strenger sich sehr klug und klar mit den Hintergründen der Entwicklung in Israel befasst.

Weiterlesen