12 von 12 – die Fünfte

Ich hatte es ja schon zugegeben: Mit dem Bloggen bin ich etwas im Rückstand. Aber nicht mit dem Lesen. Mein Juli-Buch ist eines, auf das ich wahrscheinlich ohne mein Geburtstagsgeschenk, die Buch-Flatrate, nie gestoßen wäre. Der Schauplatz von Aharon Appelfelds Roman „Alles, was ich liebte” ist Czernowitz, die Hauptstadt der Bukowina am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Czernowitz, das heute in Rumänien liegt, ist eine Stadt, die in der deutschsprachigen Literatur eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt: Paul Celan, Rose Ausländer, Selma Meerbaum-Eisinger und Gregor von Rezzori sind bei weitem nicht die einzigen Namen, die mit dieser Stadt verbunden sind, die eine Habsburger Vergangenheit par excellence hat (die Stadt gehörte früher zur Ukraine, hatte eine multikulturell zusammengesetzte Bevölkerung – neben Juden, Deutschen, Rumänen und Ukrainern lebten hier auch Polen) und die einstmals so reich war an jüdischem Leben.

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In die Lesefalle gegangen …

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Ich mag keine Erzählungsbände. Aber ich mag die Bücher von Saša Stanišic. Besonders der schräge Mikrokosmos des uckermärkischen Dorfes aus „Vor dem Fest” hat mir viel Freude gemacht. Jetzt also Erzählungen. „Der Fallensteller” heißt das Buch, bei dem mich schon das bunte Umschlagbild mit der Libelle sehr anspricht. Und was soll ich sagen: Meine Vorbehalte in Bezug auf die kurze Form lösen sich beim Lesen sehr schnell in Luft auf. Schon die Möglichkeit, Sätze wie den im Folgenden Zitierten zu finden, wäre allein schon Grund genug gewesen, das Buch zu lesen:

„Es geht in Unterhaltungen nicht unbedingt darum, einander zu verstehen, sondern es miteinander auszuhalten.“

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Reise-Impressionen

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Auf Reisen

Zu lange bin ich nicht zum Schreiben gekommen. Das bedeutet allerdings weder, dass ich nicht gelesen habe, noch, dass ich auf Reisen bin – letzteres gilt zumindest in Bezug auf Reisen im geographischen Raum. Der Stapel der Bücher, zu denen ich schreiben will, ist in den letzten Wochen immer höher geworden. Viel Schönes ist dabei, und wenn ich mir das, was da neben mir liegt genauer anschaue, stelle ich fest, dass ich doch auf Reisen bin. Auf einer literarischen Reise, die mich bis jetzt unter anderem nach Israel, Japan, Ungarn, Rumänien, Weimar und in die Uckermark geführt hat. Keine Urlaubsreise im eigentlichen Sinne, sie macht in gewisser Hinsicht durchaus Arbeit. Aber sie ist auch sehr beglückend und sie erlaubt mir neue Ein- und Ausblicke, die meinen Horizont im wahrsten Wortsinne deutlich erweitern.

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Was genau ist noch mal Realität?

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Wenn das Dorfidyll brüchig wird … Unterleuten ist überall.

Unterleuten, Seelenheil, Groß Väter und Beutel – diese Namen klingen nicht gerade nach Metropole. In Unterleuten siedelt Juli Zeh ihren gleichnamigen Roman an. Sie beschreibt einen Mikrokosmos, der zugleich anziehend als auch abstoßend wirkt. Hier finden sowohl seltene Vogelarten ihr Rückzugsgebiet, als auch Menschen, die nicht nur durch die DDR-Vergangenheit und die Veränderungen nach 1989 tief geprägt worden sind. Zusammengehalten werden diese sehr eigenwilligen Menschen durch ein sorgfältig austariertes Gleichgewicht gegenseitiger Gefälligkeiten und Verpflichtungen, sie sind zum Teil durch lang anhaltende Freundschaften aber auch durch weit zurückliegende Feindschaften eng miteinander verbunden.

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Wenn der „Zauberer” zur Romanfigur wird

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Auch wenn Thomas Mann hier nur wenige Jahre seines Lebens verbracht hat, gibt es wohl keine andere Stadt, die so sehr mit ihm verbunden wird wie Lübeck.

Hanseatisch-trocken, distanziert, von der eigenen Größe überzeugt, den Gegensatz Leben-Kunst als Bestandteil des eigenen Lebens vor Augen und dabei ein genialer Beobachter und Beschreiber des menschlichen Mikrokosmos: Das sind nur einige der Versatzstücke, die mir in den Sinn kommen, wenn ich an Thomas Mann denke. Vieles verbinde ich mit diesem Namen: Unzählige Stunden faszinierender Lektüre, eine Sprache reich an Bildern und viele skurrile Figuren. Was aber wenn der „Zauberer” (so nannten ihn seine Kinder) selbst zur Romanfigur wird und wenn sich um ihn herum nicht nur seine Familienmitglieder, sondern auch seine Protagonisten tummeln? Und was, wenn dieser Roman auch noch ein Stück deutsche Geschichte und Mentalität mit lebendig werden lassen will? Ist ein solches Projekt reiner Voyeurismus (Was wissen wir von der wohl best erforschten deutschen Familie nach unzähligen Büchern und Dokumentarfilmen immer noch nicht? Gibt es noch unbekannte Leichen in verborgenen Kellern?) und damit von vornherein als literarisch manieriertes Spielchen zum Scheitern verurteilt, oder kann ein solcher Roman auch uns den Spiegel vorhalten? Hans Pleschinski unternimmt in seinem viel gelobten Roman „Königsallee” den Versuch, den „Großschriftsteller” und seine nach eigenem Bekunden letzte Liebe, Klaus Heuser, mit Leben zu erfüllen.

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12 von 12 – die Vierte

Die Hauptfigur des Romans „Der Mann, der nie krank war” von Arnon Grünberg heißt Sam (mit vollem Namen Samarendra Ambani) und ist ein Schweizer Architekt. Zwar hat er einen indischen Vater, aber der tut eigentlich nur am Rande etwas zur Sache (vielleicht weil er die Fremdheit Sams gegenüber seiner Umwelt und sich selbst durch sein Erbteil betont) – zumal dieser bereits tot ist. Sam lebt zusammen mit seiner Mutter und seiner schwerbehinderten Schwester Aida, hat eine Freundin namens Nina und ist – abgesehen von seiner selbstgefällig wirkenden Überzeugung, dass die Architektur das Leben der Menschen maßgeblich beeinflusst – die Verkörperung des Naiven und ewig Neutralen (vielleicht ist er deshalb Schweizer?).

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Zwei Drittel einer Trilogie

Wieder wird es britisch – und schon wie beim letzten Mal („Der Pfau”) hat Isabel Bogdan wieder ihre Finger im Spiel, dieses Mal als Übersetzerin. Zwar ist Jane Gardams „Old Filth”-Trilogie noch nicht vollständig auf Deutsch erschienen, aber die ersten zwei Bände habe ich bereits gelesen und ich verrate vielleicht noch nicht zu viel, wenn ich gleich klarstelle, dass ich mich schon sehr auf den dritten Band freue. „Ein untadeliger Mann” und „Eine treue Frau” sind die Titel unter denen die beiden ersten Bände erschienen sind.

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