Very british und sehr unterhaltsam

Isabel Bogdan kannte ich bisher vor allem als Bloggerin und Übersetzerin (unter von Jonathan Safran Foer, Jasper Fforde und aktuell für die beiden ersten Bände der „Old Filth“-Trilogie von Jane Gardam. Sehr viel Freude hat mir allerdings auch ihr Buch „Sachen machen“ bereitet, in dem Bogdan ein Jahr lang lauter eher ungewöhnliche Dinge ausprobiert hat. Jetzt hat Bogdan mit „Der Pfau“ ihr Romandebüt vorgelegt.

Schon mit den ersten Sätzen ihres Romans ist der Erzählton Bogdans deutlich zu identifizieren. Kurze prägnante Sätze, die das Geschehen auf den Punkt bringen, ein subtiler, niemals krawalliger Humor und eine besondere Art, Leserinnen und Leser ohne Umschweife mitten ins Geschehen zu führen:

„Einer der Pfauen war verrückt geworden. Vielleicht sah er auch nur schlecht, jedenfalls hielt er mit einem Mal alles, was blau war und glänzte, für Konkurrenz auf dem Heiratsmarkt.“

Schon das Setting der Geschichte ist klassisch britisch: Der Schauplatz ist ein heruntergekommenes Herrenhaus in Schottland, das von seinen Besitzern, Lord und Lady, aus Geldmangel als eher rustikal geführtes Gästehaus genutzt wird. Dazu kommen neben dem verrückt gewordenen Pfau noch ein spontaner Wintereinbruch und eine Gruppe von Bankern, die nebst Psychologin und Köchin zum Teambuilding-Wochenende anreisen. Das reicht, um eine Verkettung von Geschehnissen in Gang zu setzen, bei der sich das Eine aus dem Anderen ergibt. Mit scharfem Blick gelingt es Isabel Bogdan, nicht nur die „Britishness“ ihrer unverwechselbar gezeichneten Protagonisten aufs Korn zu nehmen, sondern zusätzlich einen ironisch-scharfsichtigen Blick auf die modischen Gebräuche im höheren Management und die Dynamik von Gruppenprozessen zu werfen.

Fazit: Keine „große Literatur“, aber ein kleines, fein gezeichnetes und sehr vergnügliches Juwel  – und das von einer deutschen Autorin. Und das Beste: Die Pointe wird aufgespart bis zum letzten Wort. Das garantiert Vergnügen bis zum Zuklappen  nach beendeter Lektüre. Ein dringender Hinweis: Auf keinen Fall vorblättern, sondern genießen bis zum Schluss.

Näheres zum Buch gibt es hier.

 

 

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2 Gedanken zu “Very british und sehr unterhaltsam

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